Das eigene Herz zu wandeln - die größte Aufgabe, die jeder von uns hat erfordert Ausdauer unddie Beichte, das Sakrament, das einen neuen Anlauf soviel Kraft gibt. G. Kuby schreibt viel über die Praxis aus der Praxisund hilft so jedem der auf dem Weg ist. Gott hat es sicherlich gesehen.
Vorweg: Das Büchlein von Gabriele Kuby ist einigermaßen verständlich geschrieben, leidet allerdings an einer gewissen Sprunghaftigkeit der Argumentation und an zahlreichen Wiederholungen. Man merkt aber stets die geübte Schreiberin, die diese Fertigkeit für ihre Botschaft professionell einsetzt. Dosiert finden sich zahlreiche persönliche Erlebnisse eingestreut, mit denen sie bewusst Nähe zur Leserin oder zum Leser herstellen möchte. Ein schriftstellerischer Trick, der sich in solchen der religiösen Esoterik nahestehenden Texten immer wieder findet. Allerdings bleibt sie bei genauerer Betrachtung solcher Passagen dennoch stets distanziert und legt einen Schleier darüber, wenn es ans Eingemachte geht. Aber es ist ihr gutes Recht, den Leserinnen und Lesern ihre Beichte zu verweigern. Mich erinnert sie dabei an die in dieser Hinsicht wesentlich radikalere Gloria Polo Ortiz, deren Erleuchtung sich von einem Blitzschlag herleitet. Kuby ist in der Art und Weise wesentlich subtiler, wie sie an ihr Anliegen herangeht. Und aus dieser Sicht gefährlicher, wenn es darum geht, andere Menschen von ihrer Meinung zu überzeugen.Gabriele Kuby entpuppt sich in diesem Text als eine typische Konvertitin, die sich aus Gründen der eigenen Psychohygiene extrem positioniert, um dann besser auf einen von ihr aufgebauten Götzen hinhauen zu können. Am Beginn des Büchleins beschreibt sie verallgemeinernd eine böse, sündige Welt, um dann später ihre und somit einzig gültige Heilsbotschaft los zu werden. Immer wieder arbeitet sie in ihrem Text mit dem Barnum-Effekt, d. h., sie beschreibt Situationen und Probleme, benennt Gefühle und Ansichten, denen wohl eine große Mehrheit der Menschen zustimmen kann, um dann daraus abzuleiten, dass ihre Argumentation und die darauf folgende Lösung die einzig plausible ist. Natürlich wünschen sich Menschen eine bessere Welt, natürlich haben Menschen eine Sehnsucht nach Gemeinschaft! Kurioserweise nennt sie im Blick auf andere den Verdrängungsmechanismus der Projektion, ohne sich bewusst zu werden, dass ihr Text eine einzige Projektion ihres engen Weltbildes auf eine vielfältige und bunte Welt darstellt.Die Gefahr, die von Kubys Anspruch, die Welt retten zu müssen, ausgeht, liegt darin, dass sie nicht mehr dem einzelnen Menschen eine Verantwortung für Unrecht und Verletzungen zuschreibt, sondern einem umgreifbaren "Bösen", d. h., dem Teufel. So erleichtert sie Menschen, die sich in irgendeiner Form "schuldig" gemacht haben, sich von diesen "Sünden" zu befreien, indem sie die Verantwortung für ihr Handeln an ein außerhalb von ihnen liegendes Böses externalisieren. Sie merkt dabei nicht, dass ihr Jesusbild nur dann funktioniert, wenn es auch den Teufel gibt. Demgemäß entsteht ihr Jesus nur aus diesem Kontrast. Letztlich bietet sie den Menschen einen Jesus als Heil an, bei dem er sich im Grab umdrehen würde, wenn er nicht auferstanden wäre.