Wie kannst du an etwas festhalten, dass so voller Blut ist?Der Auftakt der Kupfer-Triologie "Andra - Kupferrosen" von Alma Eggers erschien am 31.05.2021 im SadWolf Verlag und handelt von einem Glaubenskampf zwischen verschiedenen Welten. Von Geheimnissen und Intrigen, von Lüge und Wahrheit und einer Suche nach dem eigenen Selbst; auf wunderschöne und doch brutale Art und Weise.Im alternativen Berlin 1898 wird Andra Rosendorn als Weltenbraut für die Zwecke der Familie Masken, dem Kopf der Berliner Kupfersekte missbraucht, doch als sie Lucius Goldblatt, einen Mann aus ihrer Vergangenheit um Hilfe bittet, hätte wohl keiner damit gerechnet, dass schon bald der Krieg den Platz in ihrer Welt findet würde. In einem Kreislauf aus Lügen, Tod und Geheimnissen, zwischen blutigen Spielen, mächtigen Familien und starken Feinden, beginnt ein Wettrennen um den Glauben und das eigene Sein. Und auch der Feind aus der anderen Welt, der schon längst besiegt geglaubt war, begehrt ein letztes Mal auf.Die Autorin erzählt mit einem geradezu malerischen und gehobenen Schreibstil die Geschichte von Andra und Lucius, welche den Leser in ein Universum verschiedenster Welten, verschiedenster Religionen entführt; eine grausamer als die Andere. Dabei unterstreicht dieser in Verbindung mit ihrer poetischen und bildlichen Wortwahl den edlen und doch etwas anzüglichen Flair der Geschichte. Wie passend für eine Handlung, die von ausladenden und überzogenen Festen, von mörderischen und fanatischen Sekten und Kriegen dominiert wird, welche für manche Figuren nicht mehr sind als ein Spiel.Und in diesem einzigartigen, altmodischen und doch sehr grellen und mysteriösen Setting, hat sie Figuren erschaffen, die geradezu eins mit diesem werden. Andra, die junge Frau, die als Weltenbraut von der Maskenfamilie für ihre Zwecke missbraucht wird und die trotz all des Schmerzes und der Unterdrückung dennoch ihren Glauben und ihre Überzeugungen in sich festhält. Lucius, der Mann aus dem Krieg einer anderen Welt, den er auch in der Gegenwart noch immer in sich trägt. Ein Mann, der nach und nach immer undurchsichtiger wird, denn es steckt so viel mehr hinter seinem Tun, als nur der Hass auf die Kupferreligion. Doch dieses Spiel der Fassaden, der aufgesetzten Masken und trügerischen Heucheleien beherrschen wohl die meisten Figuren, denn in dieser Welt, in der die Grenzen zwischen den Religionen, zwischen Gut und Böse geradezu verschwimmen, sehnen sich die Menschen nach einem Paradies, nach Macht. Und dafür sind ihnen alle Mittel recht.Allen voran Hermann Masken. Keiner beherrscht das Theater wie er und er beherrscht es, als würde die Bühne der Welten ihm gehören. Er, der all seine Grausamkeit und Brutalität in geradezu lächerlich und doch gleichzeitig imposante Kostüme kleidet. Er, der den Leser gegen dessen Willen in seinen Bann zieht und nicht mehr loslässt und der es schafft, dass er im Gedächtnis bleibt.Doch sie alle sind geprägt von ihrem Glauben und auch wenn es scheint, als würden die meisten diese eine Religion teilen, so formt sich diese jeder nach seinen eigenen Wünschen, nach seinen eigenen Überzeugungen. Dadurch erscheint das aerische Christentum, der Glaube an die Dreifaltigkeit - Kupfergott, Narbenfürst und Bernsteingöttin - wie ein großes Mysterium, welches sich dem Leser nie vollkommen zu erkennen gibt. Demzufolge verschwimmt zunehmend die Grenze zwischen Gläubigen und Ungläubigen; ein grausames Spiel, blutig und doch scheinbar gerechtfertigt.Edle und märchenhafte Ästhetik, getaucht in tiefste Dunkelheit, durchzogen von rötlich glänzenden Dornenranken - Gewalt, Lust und Liebe, die hier ihrer Bedeutung beraubt wurden und die Poesie in schrecklichster und doch wunderschönster Form untermauern. Eine Geschichte, die den Wunsch entfacht zu verstehen und doch genau dies zu verhindern vermag. Intensiv, actionreich und fesselnd - wirst du dem Spiel der Welten entkommen?