★★★★★
k.A.
25.05.2026
ean-shopping.de
Ein sehr interessantes und informatives Buch, das einen guten Einblick in die traditionelle Landwirtschaft gibt, allerdings sind einige Details etwas veraltet.
★★★★★
k.A.
25.05.2026
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Das Buch bietet einen interessanten Einblick in die traditionelle bäuerliche Landwirtschaft und die Geschichte der Familie Frie, Ewald, ist jedoch für reine Fachleser etwas zu allgemein.
Ewald Frie hatte das große Glück, in einer bäuerlichen Familie aufzuwachen, deren Kinder zwischen 1944 und 1969 geboren wurden. Und so nimmt er die (Bildungs-)biografien seiner Geschwister und seiner eigenen Person zum Anlass, den Strukturwandel Deutschlands in Bezug auf das bäuerliche Leben in der Nachkriegszeit und den drei Jahrzehnten danach zu analysieren. Frie beschreibt aber nicht nur den Strukturwandel nach dem Zweiten Weltkrieg weg von der personalintensiven hin zur kapitalintensiven Bewirtschaftung, sondern zeichnet die Geschichte des elterlichen Hofes bis ins 17. Jahrhundert nach.Fries geschichtswissenschaftliche Methode ist neben dem Studium von Archiven das durch Fragen geleitete Interview mit seinen Geschwistern und weiteren Verwandten. Hinter dem Buch steckt eine Unmenge Recherchearbeit in Archiven. Aber Fries lässt den Leser das nicht spüren, sondern verwebt seine profunden geschichtswissenschaftlichen Erkenntnisse so geschickt mit der Familiengeschichte, dass der Leser das Buch wie gebannt liest. Eine weitere Stärke des Buches besteht darin, dass der Autor sehr prägnant herausarbeitet, wie “Vergangenheit” von den Protagonisten als etwas Statistisch-Vorgefundenes betrachtet wird, aber allein die Zusammenschau dessen, was seine Geschwister darunter verstehen, zeigt, wie fluide eigentlich der Begriff “Vergangenheit”ist. Nicht zuletzt dieser Umstand, wie beiläufig der Historiker den Leser hier mit geschichts-, begriffs- und zeittheoretischen Problemen vertraut macht, rechtfertigen m. E. den Sachbuchpreis.Auch wenn das Buch sozusagen ein Sittengemälde des Münsterlandes darstellt - Fries unterscheidet vier Welten, u. a. die katholische Frömmigkeit der Mutter und die Rinderzuchtwelt des Vaters -, kommt mir vieles von dem, was der Autor schreibt, bekannt vor aus meiner eigenen ländlichen Heimat im Bergischen Land, wenngleich aus den Erzählungen meiner Großmutter väterlicherseits, die ebenfalls einem Hof mit 13 Geschwistern entstammte. Mein Großvater mütterlicherseits war ebenfalls unmittelbar von dem Strukturwandel des bäuerlichen Lebens betroffen und musste, nachdem er nach dem Krieg und schwer kriegsverwundet seinen Landhandel wieder ans Laufen gebracht hatte, sein Unternehmen aufgeben; gottseidank konnte er es noch rechtzeitig an die Raiffeisen-Genossenschaft veräußern. Die Lektüre folgte unmittelbar auf die durch den Tod meines im großelterlichen Haus lebenden Onkels notwendig gewordene Haushaltsauflösung, die mich mit der vergangenen Epoche noch einmal unmittelbar konfrontiert hat, und war daher ein Stück Trauerarbeit.Auch das von Fries so treffend beschriebene Fremdheitsgefühl - bei mir war Ursache der “Stallgeruch” einer denkbar engen frommen Sozialisation in einer geschlossenen Glaubensgemeinschaft - oder die (viel zu enge) Berufsorientierung anhand von Berufen, die man aus eigener Anschauung kannte - meine Schwestern und ich sind vermutlich auf diese Weise ebenfalls im Lehrerberuf gelandet -, sind alte Bekannte für mich.Gefallen hat mir, dass Fries den Abschied vom bäuerlichen Leben nicht als bloße Verfallsgeschichte beschreibt, sondern auch würdigt, wie durch staatliche Förderung, v. a. BAFÖG, ihm und seinen Geschwistern Freiheitsräume in Bezug auf die Berufs-, Partner- und Wohnortwahl erschlossen wurden, was ohne den schmerzlichen Strukturwandel und “unseren Freund, den Staat”, wie er mehrfach halb ironisch, halb liebevoll vermerkt, nicht geschehen wäre.Sehr treffend stellt Fried abschließend in Frage, ob die Bildungsbiografie von ihm und seinen Geschwistern, wie gemeinhin angenommen, als “Bildungsaufstieg” zu bezeichnen ist. Er vergleicht dazu das, was sein Vater als Landwirt und Rinderzüchter an Besitz und Reputation besaß mit seinem Titel und seiner Publikationsliste und prägt dann sehr treffend den Begriff vom “Umstieg”.Als Geschichtslehrer sage ich: Fries ist es hervorragend gelungen, die Geschichte des bäuerlichen Lebens im Deutschland der Nachkriegszeit didaktisch so zu reduzieren, dass die Lektüre zu einem sehr kurzweiligen Urlaubsvergnügen gerät.