Seit Jahren lerne ich immer mal wieder Japanisch. Bisher bin ich dabei immer an den Kanji gescheitert. Lektionen machen einfach nicht so viel Spaß wenn 20-70% des Textes aussehen wie eine wirre ansammlung von Strichen. Das "normale" auswendig Pauken hat nicht wirklich was gebracht, ich habe immer wieder alles vergessen bis auf sehr simple Kanji.Ich hatte dieses Buch schon Jahre auf der Wunschliste und wollte es jetzt im April 2022 endlich mal ausprobieren. Mit den Geschichten kann ich meistens gut arbeiten, es hilft auch von Anfang an sich eigene Merksätze zu überlegen wenn man mit den vorgegeben nicht viel anfangen kann. (Hier hat mir auch die Community von Kanjikoohi geholfen)Zum ersten Mal in meinem Leben erkenne ich ein System hinter den Schriftzeichen und nicht nur sonderliche Linien. Zwei Monate später (Juni 2022) kann ich bereits über 700 Kanji schreiben und die Bedeutung dahinter lesen. Wenn ich mehr Zeit hätte wäre wahrscheinlich sogar mehr drin gewesen, aber 700 ist für mich schon ein bedeutender Meilenstein! Vor allem wenn ich bedenke, dass ich früher schon mit 20-40 Zeichen Probleme hatte.In Texten freue ich mich jetzt über Kanji weil ich plötzlich den Sinn dahinter erahnen kann und das macht Motivation auf mehr. Man muss sich damit zufrieden geben am Anfang nicht die Lesung mitzulernen, aber das sehe ich nicht als Nachteil. Ich finde es macht Sinn sich systematisch erst einmal mit den Bedeutungen und der Schreibart auseinander zu setzen, wenn man nicht dringend sofort für ein bestimmtes Japanisch level lernt.Ich kann das Buch definitiv weiterempfehlen, vor allem an alle die bisher mit den Kanji im Krieg standen. Nach diesem Buch wird endlich Frieden herrschen :)
Die Methode hat was Geniales und ist von allen, die ich bisher ausprobiert habe, die schnellste und dauerhafteste. Andere Bücher denken sich recht freie Mnemonics aus, die man nach einer Weile wieder vergisst. Das Buch hier macht es etwas anders. Es baut sein Lernkonzept auf den Primitiven, also den Kanji-Bausteinen auf. Man lernt zuerst Mnemonics für die Bausteine und diese werden dann immer wieder verwendet. Dadurch bleiben diese Eselsbrücken viel besser hängen und man lernt auch schneller.Mir ist bei der Lernmethode auch aufgefallen, dass ich Zeichen schneller direkt erkenne, während ich bei anderen erst die Mnemonics im Kopf durchgehen musste, was einen beim Lesen ausbremst.Die Lernmethode hat leider aber auch einen ganz erheblichen Nachteil. Sie ist zwangsläufig in der Reihenfolge auf den Primitiven aufbauend. D.h. man lernt die Zeichen in der Reihenfolge ihrer Bausteine und nicht in der Reihenfolge der inhaltlichen Relevanz oder nach JLPT-Level. Wichtige Alltagszeichen kommen dadurch auch mal sehr spät im Buch (z.B. das Zeichen für "Vater" auf Position 1366) und welche, die man wohl fast nie im Leben brauchen wird, sehr früh (z.B. das Zeichen für "Messkästchen" schon auf Position 42).Das bedeutet, dass man eigentlich alle 2136 Zeichen möglichst am Stück lernen muss und dadurch über Monate hinweg nur Kanjis lernt. Normalerweise lernt man ja parallel auch Vokabeln, aber das ist bei dieser Reihenfolge schwierig, da wichtige Zeichen erst spät kommen. Auf der anderen Seite spart man mit dem Buch so enorm viel Lernzeit ein (Wochen bis Monate!), dass ich das als das kleinere Übel ansehe. Die hohe Geschwindigkeit, mit der man lernt, motiviert auch sehr.Der vielgelesene andere Kritikpunkt, dass die Aussprache nicht dabei steht, finde ich persönlich vernachlässigbar. Kanji-Zeichen haben sehr häufig mehr als eine Aussprache. Und viele unterschiedliche Kanjis haben die gleiche Aussprache. Auch wenn Kanjis eine inhaltliche Bedeutung haben, sind es in erster Linie noch Buchstaben und nicht immer vollständige Wörter, da hängen gerne noch Hiraganazeichen dran, die man auch aussprechen muss. Und wenn ich fünf Aussprachemöglichkeiten eines Kanjis kenne, weiß ich noch lange nicht, wie ein Wort damit ausgesprochen wird. Dafür muss ich die Aussprache des Worts lernen.Was mir am Buch auch nicht so gut gefällt, ist, dass weiter hinten nur noch wenige Story-Mnemonics dabei sind. Da werden nur noch Stichpunkte angegeben und man muss sich selbst was überlegen. Und das kostet bei hunderten Zeichen in der Summe einiges an Zeit.Ein Tipp noch zum Schluss: es gibt fertige Smartphone-Apps zu dieser Lernmethode. Damit kann man gut die gelernten Zeichen trainieren. Diese Apps sind fast immer auf Englisch. In Kombi mit der deutschen Version des Buchs, die teils etwas freier übersetzt ist (z.B. Kegeln statt Baseball), ist das nicht ideal. Ich würde da eher zum englischen Original raten, damit alle Wörter in App und Buch identisch sind. Ich hab den Kauf der deutschsprachigen Version deswegen bereut, obwohl die Übersetzung an sich gut ist.Update nach knapp drei Jahren:Ich hab 2018 die Jouyou-Kanji mit dem ersten Buch der Compilation gelernt. Rückblickend hab ich das nicht bereut, es hat sehr geholfen. Wobei ich heute wahrscheinlich eher Wanikani (kostenpflichtiger Onlinedienst) oder Kanji Damage (kostenlos) als Methode nehmen würde. Der Fokus auf die Bedeutung erscheint mir rückblickend nicht so gut, da man ab einem gewissen Level nicht mehr über die Bedeutungen nachdenkt. Das Gehirn erkennt japanische Wörter dann per Muster und asoziiert einen Klang damit, die Bedeutungen braucht man nicht mehr. 2018 hab ich fünf Monate investiert, um mit dem ersten Buch die Bedeutungen zu lernen, heute fände ich ein Konzept, was sich gleichzeitig auch auf die Aussprache (v.a. Onyomi) fokussiert, besser.Das zweite Buch der Compilation befasst sich mit der Aussprache, aber das Konzept gefällt mir nicht. Es erklärt Grundlagen, die relativ gut funktionieren und dann hat man nur mit unzähligen Ausnahmen zu tun. Japanisch ist halt nicht Chinesisch, wo die Zeichen besser mit einem Klang verbunden sind. Konzepte wie Kanji Damage bauen die wichtigsten Aussprachen in die Mnemonics ein, das scheint mir sehr viel praxistauglicher zu sein.Das dritte Buch ist in meinen Augen wenig sinnvoll. Ich kann mittlerweile über 3500 Wörter und unter denen waren ca. 20-30 Kanji, die nicht von den Jouyou-Kanji abgedeckt werden. Die bestehen i.d.R. aus den Radikalen, die man aus dem ersten Buch schon kennt, also kann man leicht Stories dazu erfinden. Das dritte Buch besteht auch zu großen Teilen aus Pflanzen-Kanjis, möglich dass das dann bei japanischen Namen sehr nützlich ist, das kann ich noch nicht beurteilen. Von den 20-30 erwähnten Kanji sind ungefähr zwei Drittel in RTK3 enthalten. Selbst wenn man diese 800 Kanji lernt, begegnet man also noch immer unbekannten.Dass man zuerst alle Kanji lernt und dann mit Vokabeln anfängt, hab ich nicht als Nachteil empfunden. Eher im Gegenteil, es hat was sehr befreiendes, wenn man Vokabeln direkt lernen kann und nicht erst das Kanji dazu lernen muss. Nach RTK1 war das Thema Kanji für mich weitestgehend abhakt.Die Aussprache hab ich mit den Vokabeln automatisch gelernt, das ist kein großes Problem, aber ich denke, es wäre viel effizienter gewesen, wenn die gängigen in den Mnemonics enthalten gewesen wären. Bis man ein intuitives Gespür für die Aussprache bekommt, vergeht viel Zeit, bei mir mit täglichem Lernen inkl. nativem Material wie z.B. NHK Easy News etwa zwei Jahre.Von daher würde ich empfehlen, zuerst mal Kanji Damage und Wanikani anzusehen. Ersteres findet man online gratis (einfach nach Kanji Damage suchen, in Rezensionen kann man keine Links posten), allerdings nur auf Englisch und der ruppige Stil mit viel obskuren Popculture-Gags wird nicht für jeden was sein. Bei Wanikani gibt es Testaccounts, mit denen man gratis einiges ausprobieren kann.In jedem Fall würde ich empfehlen, die Einleitung von Kanji Damage zu lesen, auch wenn man den Stil des Authors nicht mag. Da stecken viele praktische Infos drin, die ich leider zu spät entdeckt habe.