★★★★★
k.A.
31.05.2026
ean-shopping.de
Dieser Roman von Philip Roth ist absolut faszinierend und regt zum Nachdenken an. Die Art und Weise, wie er die Geschichte von Charles Lindbergh und die dahinterliegenden Zusammenhänge beleuchtet, ist meisterhaft geschrieben.
★★★★★
k.A.
31.05.2026
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Ein absolut fesselnder und tiefgründiger Roman, der zum Nachdenken anregt und die Geschichte mit unglaublicher Intensität erzählt. Ich kann diesen Bestseller nur wärmstens empfehlen.
Was wäre gewesen, wenn das Fliegeridol und der Nazi-Sympathisant Charles A. Lindbergh im Jahre 1940 als republikanischer Präsidentschaftskandidat Roosevelt geschlagen und ins Weiße Haus eingezogen wäre? Was wäre geschehen, wenn die Amerikaner sich mit Hitler verbündet und tatenlos zugesehen hätten, wie die Deutschen England in Grund und Boden bombardieren und Russland überrennen? Was wäre geschehen, wenn zur gleichen Zeit in den USA der latente Antisemitismus der angelsächsischen Bevölkerungsmehrheit unter stillschweigender Duldung der Regierung offen ausgebrochen wäre?Diese hypothetischen Fragen werden in dem vorliegenden Buch aus der Perspektive einer jüdischen Kleinbürgerfamilie aus Newark beantwortet. Der hart arbeitende und etwas engstirnige Vater Hermann Roth verkauft Versicherungen, die Mutter hält das Haus zusammen, der älteste Sohn Sandy ist ein begabter Zeichner und der Jüngste, eben der kleine Philip Roth, ist die Person, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird. Es ist eine interessante Geschichte, die langsam und sorgfältig entwickelt wird und deren zahlreiche Charaktere der Fiktion Farbe und Tiefe geben. Da ist der problematische Cousin Alvin, der nach Kanada geht um in Europa gegen Deutschland zu kämpfen und als Krüppel heimkommt, ehe er in einer semikriminellen- Halbwelt verschwindet, da ist Tante Hedwig, die einen lindberghfreundlichen Rabbi heiratet und sogar zum Empfang des Nazi-Außenministers Ribbentrop ins Weiße Haus eingeladen wird. Als sei das Buch als potenzielles Drehbuch verfasst, spart Roth nicht mit starken Bildern, die förmlich nach Verfilmung drängen - etwa, wenn Präsident Lindbergh höchstpersönlich unter dem Jubel seiner Bürger jeden Tag mit seiner Maschine seine Runde über Washington dreht oder Zigtausend Deutschamerikaner in großen Veranstaltungen in den USA die nationalsozialistische Ideologie propagieren.Als der Krieg in Europa sich seinem blutigen Höhepunkt nähert und die Japaner dabei sind ganz Asien zu erobern, steht schließlich eine Riesenmehrheit der Amerikaner hinter dem isolationistischen Präsidenten, der sie aus diesen Gemetzeln herausgehalten hat. Sogar viele Juden geben ihren Widerstand gegen Lindbergh auf, weil der Präsident die Formen wahrt. In Wahrheit aber beginnt eine unübersehbare Ausgrenzung der jüdischen Amerikaner, die Roth in deutlicher Anspielung an die Judenräte des Zweiten Weltkrieges beschreibt. Denn unterstützt und angespornt von etablierten jüdischen Verbänden beginnt die Regierung damit, jüdische Familien aus den Städten auszusiedeln und über das ganze Land zu verteilen - während FBI Agenten gleichzeitig dafür sorgen, dass jüdische Amerikaner, die sich diesen Anordnungen widersetzen, in berufliche und soziale Schwierigkeiten geraten.Hellsichtige wandern nach Kanada aus, Duldsame lassen sich in die Provinz verschicken, nur wenige protestieren, allen voran der windige Rundfunkmoderator Walter Winchell, der die faschistischen Anwandlungen des Präsidenten unverdrossen und drastisch anprangert ehe er seinen Job und am Ende auch sein Leben verliert. Denn unter der stillschweigenden Duldung der offiziellen Stellen hat sich längst jener Mob organisiert, der immer dabei ist, wenn es gilt, unter irgendeinem Vorwand Menschen zu erschlagen.Bis hierhin liest sich das Buch wie eine spannende Fiktion, und der Leser ist gespannt, mit welchem Dreh der Autor die Handlung wieder in den sicheren Hafen der Weltgeschichte zurückführen wird, denn daran, dass die USA den Krieg schließlich doch an der Seite der Briten geführt und gewonnen haben, kann auch Roth kaum vorbeikommen.Die Lösung ist verblüffend einfach: (1) Auf dem Höhepunkt der Krise verschwindet der fliegerbegeisterte Präsident bei einem Alleinflug und wird nie mehr gesehen. (2) Der amoklaufende Vizepräsident wird vom Senat abgesetzt, Franklin D. Roosevelt wird zum neuen Präsidenten ernannt und alles ist wieder gut.Ein willkürlicheres und dürftigeres Finale eines Buches, dass immerhin über weite Passagen den Leser zu fesseln vermochte, kann man sich kaum vorstellen - dass dies einem Premium-Autor von der Klasse Philip Roth geschieht, ist kaum zu fassen. Wenn der antisemitische Spuk wirklich so leicht hinwegzufegen ist wie dies am Ende des Buches suggeriert wird, dann hätten sich die Exzesse, unter denen die Juden immer mehr zu leiden hatten, niemals entwickeln können. Und wenn die antisemitischen und faschistischen Tendenzen, die Roth für die USA beschwört auch nur einen Funken Wahrscheinlichkeit besitzen, dann hätte FDR nicht so locker an die Macht zurück gelangen können. Diese Lösung passt hinten und vorne nicht zusammenAuch erzählerisch kann das Buch am Ende nicht mehr überzeugen. Die Zweigleisigkeit der Darstellung, d. h. die parallele Geschichte der Familie Roth und die Schilderung der großen Politik, kommen immer weniger zur Deckung. Am Ende ist Roth nur noch dort überzeugend, wo er die Empfindungen und Verhaltensweisen konkreter Personen beschreibt - sobald er aber den Blick ins politische off wendet, wird es hölzern und langweilig. Schade, da war mehr drin.