Steinbachs Großer Pflanzenführer ist schon seit vielen Jahren auf dem Markt. Das spricht für das Buch! Bei der vorliegenden Ausgabe handelt es sich um die fünfte Auflage. Es ist, soweit ich das sehe, eine reine Neuauflage. Es gibt meines Erachtens keine Veränderungen gegenüber der vierten Auflage.Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich eigentlich um zwei Bücher, denn in diesem Werk wurden die beiden Bände "Steinbachs Naturführer Wildblumen" und "Steinbachs Naturführer Bäume und Sträucher", beide vom Autor Bruno P. KREMER, zusammengeführt. Soweit ich es nach stichprobenartiger Durchsicht festgestellt habe, sind die Inhalte der beiden Bände unverändert aufgenommen worden. Leider wird das allerdings nirgendwo vermerkt. Wer also "Steinbachs Wildblumen" und "Steinbachs Bäume und Sträucher" schon besitzt, braucht sich das vorliegende Werk nicht mehr zu beschaffen.In den einführenden Kapiteln bringt der Autor auf sehr sympathische und ansprechende Weise, dem Leser die Schönheit, Vielfalt, Lebendigkeit und Komplexität der Pflanzenwelt nahe. Zunächst werden die Unterschiede zwischen Blumen, Sträuchern und Bäumen erläutert. Es folgen Beschreibungen der Biologie, der Ökologie, der Fortpflanzung und Ausbreitung, der Strategien zum Anlocken von Insekten, Nektar- und Pollenproduktion, und vieles mehr. Es wird sehr viel Basiswissen vermittelt und die Leserschaft erhält viele interessante Tipps, die Natur zu erleben. Unter anderem empfiehlt der Autor, sich einfach einmal auf dem Bauch auf eine Wiese zu legen und die verschiedenen Stockwerke zu betrachten: den Boden und die darin und darauf aktiven Lebewesen wie Maulwurfsgrillen, Ameisen oder Asseln. Dann die Pflanzenstängel mit Raupen, Läusen und Marienkäfern. In höheren Etagen können dann Tag- und Nachtfalter, Heuschrecken und Schwebfliegen beobachtet werden.Betrachtungen zur Artenvielfalt zeigen auf, warum es unter den Blumen eine wesentlich höhere Artenzahl gibt als bei Sträuchern oder gar den Bäumen. Und es wird aufgezeigt, warum der Erhalt der Artenvielfalt so enorm wichtig ist, nicht zuletzt auch für uns Menschen. Darüber hinaus werden sowohl der wirtschaftliche wie auch der ökologische Wert und die Wohlfahrtsfunktionen der Pflanzen, insbesondere auch der Bäume, dargelegt. So vermittelt das Buch schon zu Beginn auf unaufdringliche und sehr anschauliche Weise ein breites Wissen über die Pflanzen an sich, über ökologische Zusammenhänge und Wirkungsgefüge sowie über den Nutzen und die Bedeutung von Pflanzen für den Menschen. Der Autor versteht es, ein Bewusstsein zu schaffen für die Schönheit und Vielfalt unserer Pflanzenwelt, aber auch für die vielfältigen Gefährdungsursachen.Nebenbei bemerkt: dem Mädchen, das auf einem Foto seinen Finger in eine Blüte des Roten Fingerhuts steckt, möchte man sagen: "Vorsicht! Fingerhut ist eine hochgiftige Pflanze!" Das Foto irritiert mich etwas. Sicher lustig, aber muss so ein Foto sein?!An den Einführungsteil schließt sich dann ein recht hilfreiches und ausführliches Glossar an. In diesem Zusammenhang sei festgehalten, dass das Buch auch für botanische Laien sehr verständlich geschrieben ist.Der dann folgende Bestimmungsteil ist gegliedert nach Wildblumen sowie Bäumen und Sträuchern. Den beiden Bestimmungsteilen sind zu Beginn jeweils Bestimmungsübersichten (den Begriff "Bestimmungsschlüssel" möchte ich hier nicht verwenden) vorangestellt - leider ohne jegliche Erklärung. So bestehen die Bestimmungs"schlüssel" im Wesentlichen nur aus einer Übersicht von Blüten- und Blattformen mit Hinweisen auf eine Seitenzahl, auf der die Artenportraits der jeweiligen Formengruppe beginnen. Ein bisschen mehr "Professionalität" hätte ich mir bei einem solchen Bestimmungsbuch schon gewünscht. Dass die Blumen nach Blütenfarben und Bäume und Sträucher anhand der Blattformen bestimmt werden können, muss man sich aus dem Zusammenhang erschließen. Das ist aber zum Glück auch möglich.Im ersten Teil werden 436 Wildblumen auf ca. 170 Seiten vorgestellt. Eine bis zu sechs Arten werden pro Doppelseite vorgestellt. Die Artenportraits sind steckbriefartig aufgebaut. Am Beginn einer jeden Artenbeschreibung steht zunächst in Fettdruck eine kurze Auflistung der typischen Merkmale. Die Texte enthalten wichtige Informationen zu den vorgestellten Pflanzen. So werden die Wuchsform und Größe, die Blütezeit, Blätter, Blüten und Früchte detailliert beschrieben, ebenso auch Vorkommen und Verbreitung sowie ggf. der Rote Liste-Status. Außerdem werden jeweils wissenswerte und interessante Fakten geschildert, z. B. Verwechslungsmöglichkeiten, die Eignung der Pflanzen als Nahrungsquelle, spezielle Strategien zur Fortpflanzung und Verbreitung, Verwendung für medizinische Zwecke, Giftigkeit, usw.Den textlichen Beschreibungen auf der jeweils linken Seite stehen rechts Fotos gegenüber. Diese sind von der Qualität recht gut, scharf und gut belichtet, und teilweise einfach richtig schön. Pro Art werden ein bis vier Fotos gezeigt. Hinweispfeile zeigen auf wichtige bestimmungsrelevante Details. Und jetzt kommt das große ABER: die Fotos sind oft schlichtweg zu klein! Wenn von einer Art vier Fotos abgedruckt sind, oder wenn pro Art nur ein kleines Fotos gezeigt wird, ist es mitunter kaum mehr möglich, Details zu erkennen. Die Detailzeichnungen auf den Textseiten sind dann wiederum sehr hilfreich bei der Bestimmung.Im zweiten Teil des Buchs werden über 400 Bäume und Sträucher auf ca. 320 Seiten vorgestellt. An die kurze Auflistung der typischen Merkmale schließen sich steckbriefartig Beschreibungen des Habitus und der Größe, der Aspekte Blätter, Blüte, Früchte und Vorkommen (Standortansprüche, natürliche Vorkommen und Verbreitung) an. Danach werden unter der Überschrift "Wissenswertes" sehr interessante Fakten dargeboten, von der Nutzung des Holzes über Essbarkeit oder Giftigkeit, Verwendung der Pflanze in historischen Wirtschaftsformen, Herkunft und Zeitpunkt der Einbürgerung und vieles mehr. Je Doppelseite werden eine bis zu vier Baumarten beschrieben. Die bekanntesten Baumarten - z. B. Weiß-Tanne, Stiel-Eiche, Rot-Buche - werden ausführlich auf einer vollständigen Doppelseite portraitiert.In den gegenüber stehenden Fotos - pro Art werden ein bis vier Fotos gezeigt - werden meistens der Gesamthabitus, Blüte oder Blätter bzw. Nadeln der Bäume gezeigt, und ausgewählte und immer wieder unterschiedliche Details. Zur Bestimmung und, vor allem, zum Vergleich der Arten untereinander reichen diese Ausschnittsdarstellungen aber oftmals nicht aus. Bei kaum einem Baum oder Strauch werden a l l e Merkmale im Überblick dargestellt; das geht vielleicht aber auch nicht. Zudem sind die Fotos oft recht klein. In den Profilen der Sträucher fehlen in der Regel Darstellungen des Gesamthabitus. Erschwerend kommt auch hier hinzu, dass bei bis zu 4 Arten oft nur ein (Ausschnitts-)Foto pro Art gezeigt wird. Das ist eindeutig zu wenig. In der Regel sind in den Textteilen zusätzliche Zeichnungen zur Hervorhebung z. B. von Blattformen, Blüten o. ä. vorhanden, aber eben nicht konsequent und überall. Zudem sind diese Zeichnungen klein und qualitativ eher mäßig und zu Bestimmungszwecken weitgehend ungeeignet. Dass die Artprofile der Bäume und Sträucher anhand der Blattstellung und -form gegliedert sind, führt zu einem ziemlichen systematischen Durcheinander, was ich sehr schade finde. Wenigstens sind Laub- und Nadelbäume getrennt voneinander aufgeführt.Auf den Punkt gebracht (ich habe hier aus naheliegenden Gründen nachfolgend fast den gleichen Wortlaut gewählt wie in meiner Rezension zu "Steinbachs Naturführer Bäume und Sträucher"):Die Tipps zum Natur erleben sind sehr interessant und motivieren, sich mehr mit der heimischen Pflanzenwelt zu beschäftigen. Die Beschreibungen der Pflanzen sind sehr informativ und vermitteln viel wissenswertes, sind aber auch von sehr unterschiedlichem Tiefgang. Die Fotos sind gut, reichen aber oft nicht zur Bestimmung. Insgesamt machen die Artprofile einen durchwachsenen Eindruck. Die oft zu knappen Artenprofile für die Sträucher sind bei diesem Buch ganz eindeutig ein wesentlicher Schwachpunkt. Eine eindeutige Bestimmung dürfte so oft nur schwer möglich sein. Dass ein Bestimmungsschlüssel oder wenigstens Erläuterungen zur gewählten Gliederung fehlt, ist ein weiteres Manko. Es findet sich kaum ein Hinweis darauf, ob nur heimische oder auch eingeführte Arten Gegenstand des Buchs sind. Die Antwort findet man erst beim Durchblättern: es sind offensichtlich beide Gruppen vertreten, also in Europa heimische und exotische Arten in Gärten und Parks.Ich empfehle dieses Buch - trotz der geschilderten Schwächen - gerne als Naturführer. Das heißt als Informationsquelle über die Vielfalt der Wildblumen, Bäume und Sträucher, die wir in unserer Landschaft, in Wiesen, Wäldern, Parks und Gärten finden. Das Buch ist schön aufgemacht, interessant zu lesen, der Informationsgehalt ist sehr hoch, und man erfährt viel mehr über die Pflanzen als in vielen anderen Bestimmungsbüchern, die sich nur auf die wichtigsten Bestimmungskennzeichen konzentrieren. Und trotz der methodischen und systematischen Schwächen lässt sich manche Bestimmungsfrage auch mit diesem Buch lösen. Wobei m. E. ein Irrtum angesprochen werden sollte: sicheres Pflanzenbestimmen ist eben kein Kinderspiel, sondern harte Arbeit! Und Pflanzen zu bestimmen gelingt erst dann wirklich sicher, wenn man reichlich Erfahrung gesammelt hat.