Zwei Gründe haben mich dazu motiviert, das Kochbuch „Detox Cuisine“ aus dem Gräfe und Unzer Verlag zu bestellen, obwohl ich nicht gerade wenige Kochbücher zuhause habe und eher dazu übergehen wollte, das ein oder andere Buch auszusortieren: Erstens die Tatsache, dass Johann Lafer an dem Kochbuch beteiligt ist, da ich ihn für seine Fachkompetenz schätze, er mir aber auch generell als Person sympathisch ist. Und zweitens, dass mich das Versprechen des Kochbuches angesprochen hat, mit schmackhaften Rezepten dafür zu sorgen, dass einerseits Krankheiten vorgebeugt, andererseits der Körper verjüngt werden kann. Gerade diese großen Versprechen ließen mich von Beginn an skeptisch, aber eben auch neugierig sein…Die Theorie:Spannend ist dabei, dass das Kochbuch versucht, das eigene Konzept auf einem theoretischen und wissenschaftlich fundierten Hintergrund aufzubauen. So erklärt Mitautor Jürgen Vormann, was Detox eigentlich ist und wie es funktioniert. Das ist zudem nicht nur sehr informativ, sondern auch gut und verständlich geschrieben, so dass ich das Gefühl habe, inzwischen ein deutlich besseres Verständnis für das Prinzip Detox von seiner Notwendigkeit zu haben. So erklärt Vormann beispielsweise, das ist an der Ernährung liegen kann, wenn man ständig müde oder erschöpft ist, wobei seiner Meinung nach auch bestimmte chronische Schmerzen oder andere Beschwerden damit zusammenhängen können, sodass Detox sinnvoll sein kann, um dem entgegenzuwirken. Darüber hinaus gibt es weitere Informationen zu den einzelnen Themen, die online über einen QR Code zugänglich gemacht sind, so dass man sich mithilfe des Kochbuchs rundum über das Thema informieren kann.Besonders interessant fand ich dabei, dass Kokosöl laut Vormann zu Unrecht ein schlechtes Image besitzt. So haben verschiedene Untersuchungen festgestellt, dass Kokosöl trotz seines hohen Anteils an gesättigten Fettsäuren sogar eher förderlich für ein gesundes Herz-Kreislauf-System sein kann. Mit diesen und weiteren Fakten liefert Vormann einen interessanten Einblick in den aktuellen Stand der Wissenschaft, so dass es Freude macht, sich einzulesen. Mein besonderes Highlight ist dabei eine ausführliche Tabelle mit verschiedenen Lebensmitteln, bei denen jeweils angegeben ist, inwiefern sie sauer, neutral oder basisch sind, so dass man konkret darauf achten kann, seine Ernährung in dieser Hinsicht ausgewogen zu gestalten. Wirklich klasse und informativ!Die Rezepte:Klar ist aber natürlich, dass es beim Kauf eines Kochbuches vor allem darum geht, interessante und leckerer neue Gerichte kochen zu können. Hält man sich dabei an das Konzept des Buchs, bietet es sich an, um das Detoxen ideal umzusetzen, dem Speiseplan zu folgen, den das Buch für 28 Tage vorgibt. Da ich das selbst nicht umgesetzt habe, kann ich natürlich nicht beurteilen, inwiefern das Konzept wirklich aufgeht, auch wenn es mich in der Theorie völlig überzeugt. Die Anweisungen für eine passende Ernährung sind in diesem Speiseplan dabei sehr konkret. So wird beispielsweise für einen Tag nicht nur vorgegeben, zum Frühstück ein Brot mit Auberginencreme zu essen, sondern auch ein Wolfsbarsch als Mittagessen, bevor eine Gemüse-Oliven-Tortilla am Abend folgt. Das Besondere dieses Konzepts liegt aber darin, dass darüber hinaus auch die Getränke vorgegeben werden: So dürfen an diesem Tag Komma den ich mir exemplarisch herausgegriffen habe, nur Wasser, Tee und Detoxwasser (wie das hergestellt wird, erklärt das Buch natürlich auch) getrunken werden. Darüber hinaus ist auch Kaffee erlaubt, allerdings nur maximal 4 Tassen, und diese ohne Zucker und möglichst ohne Milch. Man wird also auf seiner Detox-Kur rundum begleitet.Die Gerichte selbst sind abwechslungsreich und schmackhaft: Allerdings sollte man darauf eingestellt sein, dass es sich nicht immer nur um Basiszutaten handelt. Viele Dinge sind zwar recht unkompliziert zu bekommen, aber gerade bei Pilzen liegt das Buch einen großen Wert darauf, möglichst unterschiedliche zu verwenden, wobei bei uns im Supermarkt Kräuterseitlinge zum Beispiel nicht zum Standard gehören, was das Nachkochen einzelner Rezepte deutlich erschwert bzw. Anpassungen nötig macht. Zudem kann man nicht verleugnen, dass die Rezepte in der Summe recht teuer sind und es sich kaum vermeiden lässt, wenn ich dem Konzept komplett folgen möchte, recht häufig einkaufen zu müssen, um die notwendige Frische der Zutaten gewährleisten zu können.Ein paar weitere Anpassungen musste ich beim Fleisch und Fisch vornehmen, da es mehrere Rezepte gibt, die beispielsweise mit Lamm arbeiten, was aus Ernährungsgründen heraus sinnvoll sein mag, für mich aber aus ethischen Gründen nicht infrage kommt. Hier gilt aber das gleiche, was auch in anderen Fällen gelten würde, dass die Geschmäcker nun einmal verschieden sind und es dementsprechend notwendig ist, Rezepte im Einzelfall an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Das geht aber zum Glück sehr unproblematisch.Besonders gefallen haben mir dabei die Gerichte, die etwas orientalisch anmuten, wovon es zum Glück im Kochbuch sehr viele gibt. Ein Highlight war für mich beispielsweise ein Salat aus roten Linsen, Mango und Granatapfel, der mit einer tollen Joghurt-Gewürzmischung verfeinert wird. Klasse war auch ein Bulgur -Salat, der mit Wassermelone, Koriander und Minze verfeinert wird, was schon deutlich macht, und das insbesondere die Kombination aus Zutaten ist, die das Besondere dieses Buchs ausmacht. Man erlebt bei den einzelnen Rezepten also nicht zwingend immer völlige Überraschungen, bekommt aber spannende Ideen, die Freude machen, sie einfach mal auszuprobieren. Insbesondere im Hinblick auf den Gebrauch von Tofu habe ich einiges an Ideen gesammelt.Zeitlich sind die Rezepte dafür unterschiedlich aufwendig, so dass man überlegen sollte, wann für welches Rezept ausreichend Zeit ist. So benötigen die Kartoffel-Apfel-Puffer beispielsweise eine Stunde in der Zubereitung und zusätzlich noch eine Stunde Zeit zum Kühlen, während andere Rezepte durchaus auch in 20 Minuten erledigt sind.Fazit:Insgesamt handelt es sich um ein wirklich gelungenes Kochbuch, das nicht nur einem klaren Konzept folgt, sondern zahlreiche spannende Ideen liefert, die beim Ausprobieren einfach Freude machen. Von Vorteil ist es mit Sicherheit, wenn man auch Freude am Kochen hat, denn die Gerichte benötigen teilweise schon einige Zutaten und durchaus auch einiges an Zeit. Wer sich aber darauf einlässt, wird mit Sicherheit nicht enttäuscht, sondern kann einiges Neues entdecken.+ spannende Rezepte+ große Abwechslung+ viele neue Ideen+ hilft bei einer gesunden Ernährungo Rezepte sind zum Teil recht aufwändig- recht viele Zutaten, die benötigt werden- Zutaten sind zum Teil schon recht speziell
Die grundsätzlichen Empfehlungen für eine Entgiftung oder besser Reinigung des Körpers lassen sich einfach zusammenfassen: Viel Obst und Gemüse, keine industriell hergestellten Produkte, wenig Produkte aus Weizenmehl sowie kein oder wenig Alkohol und Kaffee. Das ist nicht gerade umwerfend neu, was nicht überrascht, denn anders geht es nun mal nicht.Neben einer entsprechenden Ernährung sollte man auch an ein Intervallfasten denken. Also die letzte Mahlzeit möglichst vor 19 Uhr und die nächste frühestens 14 Stunden später. Für die meisten Leute ist das bereits schwer, denn dazu müssten sie erst auf der Arbeit frühstücken. Alles, was in diesem Buch zum Frühstück angeboten bekommt, lässt sich jedoch schwer auf der Arbeit herstellen.Man könnte sich natürlich auch einfach ein paar Früchte und Körner mitnehmen und sie im Job frühstücken. Das aber passt nicht ins Konzept dieses Buches, das möglichst alles superkompliziert macht, denn schließlich muss noch Spitzenkoch Lafer seine Produkte ins Spiel bringen. Dass das für normale Menschen nicht passt, die an fünf Tagen in der Woche zur Arbeit gehen und dort nicht kochen können, ist offenbar unbedeutend. Und sich abends dann nach dem Job für eine Stunde in die Küche zu stellen, nachdem man die Kinder abgeholt und bespielt hat, scheint bei den Autoren wohl eine verlockende Vorstellung zu sein. So müsste man aber vorgehen, denn anders funktioniert die "genussvolle 4-Wochen-Kur für Krankheitsprävention und Verjüngung" nun mal nicht.Für mich sieht das jedoch nach enormen Stress aus. Dabei ginge es viel einfacher, doch dazu braucht man Johann Lafer nicht. Wenn man aber Lafer zu einem solchen Buch einlädt, bekommt man eine Küche, die sich deutlich von „Das kann jeder“ unterscheiden muss, ansonsten leidet das Image des Spitzenkochs. Ohne Lafers Kreationen, die auch hier durchaus bewundernswert sind, weshalb ich dem Buch wenigstens drei Sterne gebe, obwohl das ganze Konzept für undurchdachten Unfug halte, ginge es wirklich einfacher. So wie oben beim Frühstück erklärt. Natürlich ist das dann weniger abwechslungsreich, aber realistischer. Wer mittags nicht kochen kann, muss sich eben anders behelfen. Dazu reicht es völlig aus, den Hinweisen am Anfang des Buches zu folgen und nur das zu essen, was dort beschrieben wird. Es kommt schließlich nicht auf Lafers Kreationen, sondern auf die Zusammensetzung der Nahrung an.Und wer unbedingt abends diesem Kochbuch folgen möchte – warum nicht. Allerdings befürchte ich auch hier, dass dazu die Spannung nicht mehr ausreicht. Das ganze Buch geht am wirklichen Leben völlig vorbei.