Je bedeutender die Wissennschaftler und ihre Arbeit, um so erstaunlicher, wie sie dorthin kamen. Wie in ihren früheren Serien (zB „Spuren der Macht“, Politik) schafft Herlinde Koelbl Verständnis, Nähe und Einsichten. Nach der Lektüre möchte man Wissenschaftler werden und fragt sich, warum in der Schule der Funke nie übersprang. Wenigstens kann man jetzt ihr Buch verschenken an Schüler, die so auch dann etwas von der Faszination Wissenschaft zu spüren bekommen, wenn der Unterricht es nicht zu vermitteln vermag. Verschwörungstheoretikern sei das Buch zur gründlichen Erschütterung ihres Wahns empfohlen.
Die Autorin Herlinde Kölbl bringt die Menschen nahe, die Wissenschaft betreiben, die Wissen schaffen, die Fortschritt ermöglichen und scheinbar nie die damit verbundene ethische Verantwortung vergessen. Die weltweite Kooperation und der weltweite Wettbewerb um schnelle Erfolge für die Menschheit machen Mut, dass zukünftige und aktuelle Herausforderungen lösbar sind. Ein tolles Geschenk für alle, die Wissenschaft und Forschung verstehen und dafür werben wollen. Ein zudem optimistischer Ratgeber!
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Fuchs Werner T. Dr
03.06.2024
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Die renommierte deutsche Fotokünstlerin Herlinde Koelbl konnte beim Start ihres Projekts «Faszination «Wissenschaft» kaum wissen, wie wichtig ihr Buch beim Erscheinen sein wird. Denn die mediale Berichterstattung über Corona und unzählige Talkshows führten zu einem ziemlich verzerrten Bild des Wissenschaftsbetriebs. Wenn wir zuerst Dr. Google kontaktieren, persönliche Meinungen als wissenschaftlichen Beitrag betrachten und die Ergebnisse einer Umfrage unter Verwandten und Kolleginnen für eine Studie halten, ist eine Verwässerung des Wissenschaftsbegriffs unausweichlich. Aber wer sind die Menschen, die sich einer Tätigkeit verschrieben habe, die keine Halbheiten duldet, Rückgrat erfordert, Langschläfer ausschliesst, Niederlagen geradezu vorprogrammiert und ganz wenigen den Nobelpreis bringt?Einleuchtende, überraschende und manchmal sogar provozierende Antworten auf diese Frage liefern 60 Porträts von Wissenschaftlern verschiedenster Disziplinen. Allen gemeinsam ist, dass sie die Lehr- und Wanderjahre bereits hinter sich und die verdiente Anerkennung für ihre Forschung erhalten haben. Viele wurden sogar mit dem Nobelpreis geehrt. Und weil solche Wissenschaftler ihre Zeit lieber im Labor oder in Denkstuben verbringen, sagen sie Einladungen zu Talkshows meist ab. Das ist zwar schade, aber bei einem Format verständlich, das differenzierte Aussagen kaum zulässt und Streitgespräche bevorzugt.Warum Europa als Wissenschaftsstandort an Bedeutung verloren hat, gehört zu den Fragen, auf die unsere Politikerinnen und Politiker möglichst schnell plausible Antworten finden müssen. Diese Aufgabe käme ihnen allerdings gar nicht so unlösbar vor, wenn sie dieses Buch lesen würden. Denn in ihm kommen die Auskunftspersonen zu Wort, die genau wissen, was während der Schul- und Studienjahre zu kurz kommt, wie innovationsfeindlich staatliche Auswahlverfahren und Professuren auf Lebenszeit sind, was ideologisch bedingte Nivellierungen nach unten bewirken und welche Kennzahlen bei der Vergabe von Fördergeldern Sinn machen oder nicht.Der Molekularbiologe Patrick Cramer sagt: «Europäische Wissenschaftler sollten überlegen, wie die Technologie Gutes für uns als Menschheit tun könnte und dann aktiv mitgestalten – und nicht alles nur ablehnen und warten, bis sie in Asien oder den USA entwickelt worden ist. Meine Befürchtung ist, dass Europa eine Art Neuschwanstein wird, das der Rest der Welt nur noch als Museum betrachtet, in dem eine gigantische Wissensgeschichte zu bewundern, aber das nicht mehr am Puls der Zeit ist.» Besser lässt sich der common sense der Interviewten zu diesem Thema nicht zusammenfassen.Sehr direkt und manchmal nur zwischen den Zeilen geht es in diesem Buch auch um Nachwuchsförderung. Denn unser Zeitgeist versteht unter «Karriere» eher ein erstrebenswertes Ziel als eine angenehme Nebenwirkung von Hartnäckigkeit. Und Durchhaltevermögen braucht es tatsächlich, wenn man sich für die Laufbahn eines Wissenschaftlers entscheidet. Als Entschädigung für wiederholtes Aufstehen nach dem Stolpern winkt das gute Gefühl, seine kindliche Neugier befriedigt zu haben und an etwas Grossem beteiligt zu sein.Mein Fazit: Herlinde Koelbls Bildband «Spuren der Macht» geniesst in meiner Bibliothek einen Platz in der ersten Reihe. Dieses Privileg wird nun einem anderen Buch entzogen, um «Faszination Wissenschaft» die gebührende Ehre zu erweisen. Hervorragende Porträtaufnahmen, besondere Interviewgäste, kluge Fragen und lesenswerte Antworten. Der Titel fasst den Inhalt perfekt zusammen. Das Buch handelt von der Faszination wissenschaftlicher Forschung und kann Leser für wissenschaftliches Denken und Arbeiten faszinieren.