Bereits im Vorwort spricht Matthias Weik Klartext. Kompromisslos hinterfragt er die Aussage des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier: „Ja, wir leben heute in dem besten Deutschland, das es jemals gegeben hat.“Mit zahllosen Fakten wie beispielsweise dass mehr als 2 Millionen Menschen in Deutschland zur Tafel gehen müssen, dass die Anzahl der Sozialwohnungen heute (1,1 Millionen) und in den 1990er-Jahren (ca. 3 Millionen) betrug, dass sich nur noch ein Drittel der Frauen und 60 Prozent der Männer nachts ohne Begleitung im öffentlichen Personennahverkehr „sehr sicher“ oder „eher sicher“ fühlen, dass Deutschland auf dem globalen Kriminalitätsindex den 43. Platz belegt, dass Freibäder von Securities geschützt werden müssen, dass sich keine einzige Universität unter den besten 49 Universitäten der Welt befindet, dass der Anteil Jugendlicher ohne grundlegende schulische Fähigkeiten bei 23,8 Prozent liegt, dafür aber Privatschulen boomen, dass bei über 2,4 Millionen Arbeitslosen dennoch branchenübergreifend ein akuter Fachkräftemangel herrscht, dass Krankenhäuser und Altenheime vor dem Pflegekollaps stehen, dass nach Deutschland in den letzten zwei Jahrzehnten nicht nur Millionen un- und geringqualifizierte Menschen einwanderten sondern auch Hunderttausende Hochqualifizierte auswanderten von denen drei Viertel eine Hochschulausbildung haben, dass die politischen Eliten uns Bürger und die Wirtschaft in die Abhängigkeit Russlands und in ein energiepolitisches Desaster getrieben haben, dass die „Energiewende“ uns Bürgern sowie unserer Wirtschaft jahrelang mit die höchsten Strompreise weltweit beschert und dem Wirtschaftsstandort Deutschland geschadet hat mit dem Ergebnis, dass im November und Dezember 2022 der meiste Strom durch Kohlekraftwerke erzeugt wurde, dass kein einziges Unternehmen unter den wertvollsten 100 börsennotierten Unternehmen der Welt mehr aus Deutschland kommt, dass Deutschland bei der Digitalisierung des öffentlichen Dienstes schlechter abschneidet als Griechenland…. widerlegt Weik Steinmeiers schwer haltbare Behauptung.Weik legt dar, wie es tatsächlich um den Wirtschaftsstandort Deutschland steht. Er zeigt auf, dass besonders hohe Unternehmenssteuern, Arbeitskosten, Produktivität, Humankapital, Regulierung, Infrastruktur, digitale Infrastruktur und hohe Energiekosten in Deutschland Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit haben und belegt dies unter anderem mit dem »Länderindex Familienunternehmen«, einer Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und einer Untersuchung des Berliner European Center for Digital Competitiveness. Ausführlich wird auf die Schlüsselindustrien Chemie und Automobilbau und deren trübe Zukunftsaussichten sowie warum Deutschlands Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert eingegangen und warum konsequenterweise dem Land eine Deindustrialisierung droht und was die Folgen für Deutschland sind. Eingehend werden die Probleme bei den, Weik nennt sie Standortfaktoren, Bildung, Digitalisierung, Gesundheits- und Pflegewesen, Bürokratie, Steuern und Abgaben und Energie diskutiert.Ein großes Kapitel umfasst das Thema Migration und Fachkräftemangel. Weik zeigt auf, warum Deutschland für dringend gesucht hochqualifizierte Fachkräfte wie zum Beispiel IT-Experten vollkommen unattraktiv und Dank großzügiger Sozialleistungen für Menschen ohne und mit geringer Qualifikation äußerst attraktiv ist. Ein Kapitel ist Deutschlands fragwürdiger Energiewende und deren Folgen gewidmet. In Kapitel 5 und 6 wird Deutschlands Abhängigkeit von China sowie die Folgen der Sanktionen gegen Russland für Deutschland dargelegt. Im 7. Kapitel beschreibt Weik die Konsequenzen der EU- und der EZB-Notenbankpolitik für Bürger und Wirtschaft.Kapitel 8 widmet sich der Frage bleiben oder auswandern. Weik gibt Antworten darauf, wer besser bleibt und wer besser gehen sollte und welche Länder eine Option sind. Im letzten Kapitel werden Lösungsvorschläge, wie Ministerposten und Staatssekretärsposten ebenso ein Jobprofil erhalten und davon ausgehend, ebenso wie Topmanagerposten, strikt nach Kompetenz und nicht nach Parteibuch besetzt werden, Deutschland muss – so wie die klassischen Einwanderungsländer USA , Kanada, Australien und Neuseeland jene ins Land holen, die zur Steigerung des Bruttosozialprodukts und somit zu einem nachhaltigen Wohlfahrtsstaat beitragen, Deutschland benötigt weniger Gemeinschaftsschulen, weniger Gleichmacherei, weniger Sozialromantik und stattdessen mehr »Fördern und Fordern«. Deutschland braucht Eliteschulen und Eliteuniversitäten, und zwar staatliche für alle und nicht nur für diejenigen, deren Eltern sich die Gebühren teurer Privatschulen leisten können…präsentiert, welche laut Weik manch einem nicht schmecken werden und die so manches Weltbild ins Wanken bringen werden.
Matthias Weik zeigt, warum das „Geschäftsmodell Deutschland“ nicht mehr funktioniert und es zu einer Deindustrialisierung kommt. Er kritisiert Infrastrukturmängel u. a. bei der Digitalisierung, im Bildungswesen, im Gesundheitswesen und bei der Pflege.Weik diskutiert Fachkräftemangel, Bürokratie, Energiepreise, Steuerpolitik und nachlassende Leistungsbereitschaft als Sand im Getriebe der Wirtschaft. Außenpolitisch geht er auch auf die globale Finanzpolitik der EZB, die wirtschaftliche Abhängigkeit von China sowie den Krieg in der Ukraine ein.Als Lösungsvorschläge verlangt Weik mehr Bürgernähe, weniger Bürokratie, kontrollierte Migration, Investition in die Infrastruktur, Elitenförderung bei der Bildung, mehr Leistung statt Umverteilung sowie die Umwandlung der EU von einer politischen Union zurück zu einer Wirtschaftsunion bei sukzessiver Abschaffung des EURO.Das Buch liest sich erfrischend aufmüpfig, wenn man die Schönfärberei der öffentlich rechtlichen Medien satt hat. Ein Großteil von Weiks Kritikpunkten trifft die richtigen Stellen. Bei genauerem Hinsehen bleibt dennoch viel Populismus. Zum Beispiel ist die Aufforderung, über eine Emigration nachzudenken, unpassend und natürlich kontraproduktiv in Bezug auf fast alle angesprochenen Probleme.Darüber hinaus kommt das Buch mit 665 „Anmerkungen“ daher. Dies soll wohl dem Werk einen wissenschaftlichen Anstrich geben. Wissenschaftliche Zitierweise sieht aber ganz anders aus. Wenn für schematische Abbildungen einfach eine Facebookseite zitiert wird, die ihrerseits aus einer ganz anderen Quelle stammt, dann ist das dicht am Plagiat und offenbar mit dem heißen Stift geschrieben. Ein bisschen mehr logische Stringenz und schriftstellerische Sorgfalt hätten auch einem Sachbuch, das nicht den Anspruch eines Fachbuches hat gut getan.Dennoch lesenswert und wert darüber nachzudenken. Es gibt nicht viel Vergleichbares außerhalb der Szene extremer bzw. verschwörungstheoretischer Publikationen.Abschließend: Dass das Buch irgendjemandes Erspartes vor Krise und Umverteilung rettet ist natürlich purer Unsinn.