★★★★★
k.A.
11.07.2026
ean-shopping.de
Diese Vorlesung zu Heideggers Grundbegriffen der Metaphysik war außerordentlich tiefgründig und sehr inspirierend. Ich empfehle sie jedem, der sich für die Philosophie interessiert.
Es macht einfach Spaß Heidegger zu lesen. Er schreibt klar und deutlich. Wer Probleme hatte mit "Sein und Zeit", dem rate ich dieses Buch erstmal zu lesen. Es ist wesentlich "einfacher." Der Teil in dem es um die Langeweile geht, ist besonders spannend:)
Heidegger will etwas ungeheuer Großes: nämlich nicht weniger als das Ganze des Daseins begreifen, fast im Faustischen Sinne, das Wesen, den Kern der menschlichen Welt erfassen. Er nähert sich diesem in seiner Vorlesung aus dem Jahre 1929/30 in verschiedenen Anläufen an. Für Interessierte sind diese Gedanken meist ohne nennenswerte Vorkenntnisse nachvollziehbar – Philosophie ist keine Geheimwissenschaft - , Heidegger lässt uns zudem die Freude am Denken nachempfinden, aber die Vorlesung zeigt auch, wohin die Reise bei Heidegger geht. Nämlich über den logos hinaus zu etwas, was vernunftmäßig nicht mehr zu verstehen ist.Philosophie geschieht in einer Grundstimmung. Im ersten Teil stellt Heidegger dies sehr lebensnah an einer der Grundstimmungen des Menschen, nämlich der Langeweile dar. In der tiefsten und wesentlichsten Form der Langeweile ist uns das Seiende im Ganzen gleichgültig. Wir erfahren uns im Ausgeliefertsein an das sich im Ganzen versagende Seiende bzw. die sich versagende Zeit. Uns Menschen charakterisiert wesentlich dieser Entzug des Seienden im Ganzen, dieses fremde Walten der Welt, das ohne mein Zutun abläuft. Uns kennzeichnet die Bedeutungslosigkeit des Ich in einer sich ohne unser Einwirken ablaufenden Welt. Heidegger behauptet nun, dass gerade diese Nichtigkeit des Daseins mein Handeln erst ermöglicht. Ich kann gar nicht anders als mich im Umkreis der Leere des Daseins in eine Tat zu „entwerfen“. Dieses Sichentschließen zu dem, was dem Dasein aufgegeben ist, geschieht je im Augenblick. In der menschlichen Tat bringt der Mensch etwas Verbindliches in die Welt, dass er sich der Leere abringt. Nur weil es diese leere Welt gibt, kann der Mensch in seinem Leben Fülle, Sinn, verbindliche Normen etc. entdecken.Danach schwenkt Heidegger scheinbar auf ein ganz anderes Thema ein, ausgedrückt in der Überschrift: „Der Stein ist weltlos. Das Tier ist weltarm. Der Mensch ist weltbildend.“ Auch hier gelingen Heidegger sehr schöne und eindrucksvolle Beschreibungen der trieb- und diensthaften Fähigkeiten des Tieres, das mit dem ringt, von dem es ganz eingenommen wird, in dessen Umkreis sich seine triebhaften Fähigkeiten entwickeln.Der Mensch dagegen erschließt sich das Seiende im Ganzen, er erkennt die Welt als solche. In diesem „als“ steckt das ganze Problem. Es ist zugleich die Frage nach dem Sein des Seienden. Es ist die Frage nach der Welt, die die Offenbarkeit des Seienden als solchen im Ganzen bedeutet.Heidegger geht dann wieder einen Seitenweg: was ist das Sein ausgedrückt im „ist“ des Satzes als Kopula? Es geht ihm dabei um den logos. Der Logos gründet im Wesen des Menschen, dort muss er aufgehellt werden. Der logos stellt nicht erst den Bezug her zum Seienden als solchem, sondern er gründet seinerseits auf einem solchen.Bei jeder einzelnen Aussage, sei sie noch so trivial, sprechen wir immer schon aus einem im Ganzen offenbaren Seienden heraus. Jede Aussage spricht in diese Offenbarkeit im Ganzen hinein und zugleich aus einer solchen heraus. Der logos kann nur das aufweisen, was schon vorlogisch offenbar ist.Hier deutet sich Heideggers sogenannte Kehre an, hier wird das entscheidende Scharnier deutlich, welches Heidegger dazu bringen wird, das Sein als außerhalb des Menschen anzusiedeln. Ein Sein, dem sich der Mensch dann nur noch anfügen kann, ein Sein, das der Mensch empfangen kann oder auch nicht:Wenn der logos auf Urspünglicheres zurückweist, heißt dies: der logos ist nicht der radikale Ansatz für die Entfaltung des Weltproblems. Was sollte die Weckung einer Grundstimmung und das Eingehen auf den logos, so fragt Heidegger? Es sollte vorbereiten auf das Eingehen in das Geschehen des Waltens der Welt. Das Erwecken ist Sache des einzelnen Menschen, es ist Geschick, das einem zufällt oder nicht. „Die Kraft des Wartens aber gewinnt nur, wer ein Geheimnis verehrt.“Diese Vorlesung macht die Kraft des Denkens bei Heidegger sehr deutlich. Ineins damit das, was wir Philosophieren nennen. Heidegger stößt vor in eine das Wesen des Menschen auszeichnende Gestimmtheit der Langeweile und in eine aller Sprache und allem Denken vorgängige Offenheit des Weltbezuges.