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ASIN: 3941121391
Schon lange seit Jahrhunderten seit Jahrtausenden seit Menschengedenken schon immer - eine
andauernde Nutzung wird bei Lebensmitteln regelmäßig als verstärkendes bestärkendes und
letztlich beruhigendes Argument für sicheren und bekömmlichen Konsum angeführt. Das ist in
zahlreichen Fällen richtig und erfüllt nicht selten seinen Zweck. Doch skeptische Blicke und
sorgfältige Analysen auf längerfristige Entwicklungen verhelfen zu erhellenden
Differenzierungen. Das hat Uwe Spiekermann vor einigen Jahren mit seiner auch im Journal
Culinaire besprochenen Veröffentlichung 'Künstliche Kost. Ernährung in Deutschland 1840 bis
heute' (Journal Culinaire No. 27 S. 145-148) eindrucksvoll gezeigt. In seinen Texten mahnt er
eindringlich einen realistischen Geschichtsbezug in der Ernährungsdiskussion an (https:
uwe-spiekermann.com category geschichten ). Denn überraschend vieles was als neues
Lebensmittel oder Trend angepriesen wird erblickte unter anderen Vorzeichen schon vor geraumer
Zeit das Licht der Welt. Nicht erst seit Anna Lowenhaupt Tsings Essay 'Der Pilz am Ende der
Welt. Über das Leben in den Ruinen des Kapitalismus' Berlin 2018 ist ein überschäumendes
Interesse an der nach Flora und Fauna dritten durch Pilze charakterisierten Welt
offensichtlich. Erst seit fünfzig Jahren ist sie als eigenständig klassifiziert. Aus und mit
ihr erhoffen sich Protagonisten und Protagonistinnen vielfältige Anregungen und Erkenntnisse
für die drängendsten Probleme der Gegenwart. Ist ein Zeitalter der Pilzphilie oder Mykophilie
angebrochen? Der Neuzeithistoriker Jon Mathieu nimmt die bemerkenswert positive Stimmung zum
Anlass gemeinsam mit dem früheren Direktor des historischen Museums Bern Jakob Messerli einen
lesenswerten Beitrag zu veröffentlichen: Die Entdeckung der Pilze in der Moderne. Das Beispiel
Schweiz 18.-20. Jahrhundert (in: Historische Anthropologie 32 1 [2024] S. 19-38). Die Autoren
legen ihren Finger auf einen blinden Fleck im aktuellen Pilzhype. Ihre weitgehend auf die
Schweiz beschränkten Beobachtungen bezüglich der Speisepilze konstatieren in der frühen Neuzeit
eine grundsätzlich mykophobe Grundeinstellung. Die Nutzung der Speisepilze war 'von
überlieferten mykophoben Lehrmeinungen von botanischen und später auch chemischen und
ernährungswissenschaftlichen Forschungen und ihrer Popularisierung durch die zunehmende Zahl
von Medien von Versorgungslagen und Verdienstmöglichkeiten der breiten Bevölkerung von
Lebensmittelkontrollen ...' bestimmt. Sie vermuten dass bei entsprechenden Forschungen
orschungen die erhobene Grundeinstellung auch in an deren europäischen Regionen nachzuweisen
wäre. Von der Mykophobie bis zur Mykophilie vergingen über eineinhalb Jahrhunderte. Schnell
wurde die kritische Haltung den Pilzen gegenüber vergessen nicht selten wird unreflektiert von
einer seit Menschen-gedenken währenden Pilznutzung gesprochen. Das Journal Culinaire macht
regelmäßig auf die Pilzwelt aufmerksam - nur in der Ausgabe No. 3 finden Pilze keine Erwähnung.
Neben den vielen Arti-keln zu Fermentationen die sicherlich zu den Lieblingsthemen des Journal
Culinaire zählen sei auf den Beitrag von Marco A. Fraatz und Holger Zorn Speisepilze
generieren natürliche Aromen. Aus Reststoffen der Lebensmittelindus trie werden Duftstoffe im
Journal Culinaire No. 17 oder von Verena Mittermeier-Klessinger Pfifferlinge. Schmackhaftes
Gold aus heimischen Wäldern im Journal Culinaire No. 34 erinnert. Nun schien es an der Zeit
das Thema in den Fokus der No. 39 zu rücken. Einen ordentlichen Platz nimmt in dieser Ausgabe
die Ausstellung Pilze - Verflochtene Welten ein die vor einigen Wochen im Museum Sinclair-Haus
der Stiftung Kunst und Natur in Bad Homburg vor der Höhe eröffnet hat. Der Beitrag der
Direktorin des Hauses und Kuratorin der Ausstellung spricht für sich. Das zu jeder Ausstellung
erscheinende beispielhafte museumspäda-gogische Blattwerk (https: kunst-und-natur.de files
Museum-Sinclair-Haus Ausstellungen 24_Pilze Blattwerke_22_Pilze.pdf) verdient ein besonderes
Lob. Ebenso informativ ist das Begleitheft. Blattwerk wie Begleitheft sind auf der Webseite des
Sinclair-Hauses abrufbar (https: kunst-und-natur.de). Ihnen wünsche ich Genuss und
differenziertes Verständnis bei allen Pilzen denen Sie begegnen!
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